Rezension: Zwanzig Zeilen Liebe von Rowan Coleman – 5 Sterne!

Zwanzig Zeilen Liebe Der Roman Zwanzig Zeilen Liebe, eine Tragik-Kömödie, spielt zum größten Teil in einem Hospiz in London. Die Hauptpersonen sind alle miteinander verstrickt. Da ist Stella, die Hospiz-Schwester. Ihr Mann wurde im Krieg verwundet und traumatisiert, die Ehe ist am Ende. Im Hospiz schreibt sie für die Bewohner letzte Worte in Briefe, die sie dann nach dem Tod den Angehörigen übergibt. Im Laufe des Buches werden dem Leser einige dieser Briefe begegnen. Dann ist da ihre Patientin Hope, die ihren Namen äußerst ironisch findet, da sie mit Mukoviszidose auf die Welt kam und nicht gerade die höchste Lebensqualität oder Lebenserwartung hat. Ihr bester Freund Ben kommt jeden Abend zu Besuch und heitert nicht nur sie sondern auch andere Bewohner auf. Jeder weiß, dass die beiden sich mehr als freundschaftlich mögen, nur die beiden nicht. Eine weitere Hauptperson ist Hugh, zunächst ist nicht klar wie er mit dem Hospitz in Verbindung steht, hier werde ich auch nichts verraten. Er lebt allein im Haus seiner verstorbenen Eltern und ist eigentlich ganz glücklich, so ohne zwischenmenschliche Probleme. Bis die Nachbarin mit ihrem 10jährigen Sohn nebenan einzieht und seine Lebensphilosophie etwas durcheinanderwirbelt.

Für die Hauptpersonen, alle in einem eher hoffnungslosen Leben gefangen, bricht nun eine neue Zeitrechnung an. Die eine muss sich entscheiden, ob die Ehe am Ende ist oder neu beginnt. Die Andere, eigentlich von Geburt an mit einer schlimmen Krankheit gebeutelt, ist dem Tod gerade mal so von der Schippe gesprungen und muss sich nun überlegen, was sie daraus macht. Und Hugh, tja der kann endlich mit der Vergangenheit abschließen und eine nette Zukunft in Angriff nehmen.

Stil, Machart, Gefühle

Die Autorin hat ein gutes Gefühl dafür, die einzelnen Hauptpersonen mit ihrem ganz eigenen Leben sehr gut darzustellen. Man versteht sie. Der Schreibstil liest sich äußerst gut, manchmal ein paar sehr schlaue Weisheiten und besonders beim Erzählstrang von Hope auch eine Menge Humor – teilweise auch einfach Galgenhumor. Es gibt viele interessante Beobachtungen von Gefühlen und Menschen im Allgemeinen und auch wirklich glaubwürdige Details aus dem Leben einer Hospizschwester, Hospizpatientin oder auch einem einsamen Mann in seinem Haus. Ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt gefühlt, obwohl manchmal ja gar nicht so viel passierte. Denn man muss einfach wissen, wie es für die Personen weitergeht. Man fühlt mit ihnen.

Wie man bei der Geschichte ja schon ahnt, ist das Buch an manchen Stellen traurig. Immerhin ist der Schauplatz ein Hospiz, und da gibt es ja des Öfteren Grund zur Traurigkeit. Diese Traurigkeit ist allerdings nicht das vorherrschende Gefühl beim Lesen dieses Buches. Es geht vor Allem darum, seine Liebsten und sein Leben jeden Tag wertzuschätzen. Und es geht um Hoffnung. Manchmal schmunzelt man auch so vor sich hin, wie schon gesagt vor allem bei den Gedanken oder Gefühlsausbrüchen von Hope. Man hat das ganze Buch über ein gutes Gefühl und wird noch einmal drauf aufmerksam gemacht, wie wertvoll das Leben ist.

Der Lob an die Konstruktion der Geschichte reißt nicht ab: Die Autorin hat nicht nur mit einer hervorragenden Balance die Geschichten der drei Hauptpersonen erzählt, sondern sie auch passend und stellenweise überraschend miteinander verwoben. So hat man in manchen Situationen direkt zwei Sichtweisen auf das Geschehen. Nebenbei bzw. mittendrin gibt es dann immer mal wieder einen Abschiedsbrief eines Verstorbenen. Die meisten davon kennt man gar nicht, und doch erfährt man in den auf höchstens zwei Seiten stehenden Briefen eine Menge über die Person. Das ist super gemacht, manchmal sehr traurig und manchmal auch einfach sehr prakmatisch. So beschreibt eine Frau beispielsweise ihrem Mann noch einmal genau, wie die Waschmaschine funktioniert- denn ohne sie bekommt er das sonst nicht hin. Jemand anderes sagt seinem Nachbarn endlich noch einmal, wie blöd der eigentlich ist. Bei dem einen Brief muss man bedrückt schlucken, bei dem anderen wieder schmunzeln. Sie Brief fügen sich perfekt in die Geschichte ein, obwohl die meisten der Briefe nichts mit den Hauptpersonen zu tun haben.

Zielgruppe

Der Leser dieses Buches sollte schon etwas älter sein, ich sage jetzt einfach mal: ab 16, so nach Gefühl. Machen wir uns nichts vor, die wenigsten Männer würden zugeben, solch ein Buch gelesen zu haben. Die Zielgruppe sind eindeutig Frauen jeden Alters, aber Männer würden sicher auch Gefallen an der Geschichte finden können- wenn sie sich denn trauen würden, ein Buch mit dem Titel „Zwanzig Zeilen Liebe“ und vielen türkisfarbenen Wölkchen auf dem Cover in die Hand zu nehmen.

Was lernen wir daraus?

Gefühle, richtig zu Papier gebracht, können ein Buch sehr gut und sehr bewegend machen. Der Leser kann tatsächlich etwas für sein eigenes Leben aus der Geschichte ziehen und wird vom Buch berührt. Gut, ich schreibe nun eher Krimis, aber auch da kann man sicherlich ein paar traurige und gleichzeitig lebensbejahende Elemente unterbringen um der Geschichte mehr Tiefgang zu geben – so geht sie dem Leser unter die Haut und bleibt in Erinnerung.

Erzählstränge müssen natürlich immer möglichst gut sein, danach strebt wohl jeder. Aber sie so geschickt miteinander zu verweben, das der Leser eine Situation manchmal aus zwei Perspektiven wahrnehmen kann, ist eine große Kunst und äußerst beeindruckend. Ich habe mal ein Buch gelesen, keine Ahnung wie es hieß, da ging es in der ersten Hälfte aus der Sicht der Frau. Dann drehte man das Buch einmal um und las das gesamte Geschehnis noch einmal aus der Sicht des Mannes. Ich meine, es war eine Art Liebeskomödie und man konnte so direkt mitbekommen, welche Missverständnisse in der Überinterpretation der Frau zu einer Menge Unheil führten, die vom Mann nicht beabsichtigt waren.. Das Spiel mit den Perspektiven ist ein interessantes Feld mit einer Menge Möglichkeiten, ich werde mir das jedenfalls im Hinterkopf behalten..

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Fazit

Dieses Buch, es ist ja mal wieder nicht mein Genre Nr. 1 (der Krimi), bekommt von mir 5 Sterne. Weil ich, gerade als Krimileser, auf keiner Seite gelangweilt war. Ich wollte wissen, wie es ausgeht. Und ich habe mitgefühlt, war traurig, fröhlich und habe mal wieder einen kleinen Schubs in die richtige Richtung bekommen. Das Leben kann jederzeit vorbei sein, und jeder weiß das. Und doch verschwenden wir Zeit mit unwichtigen Dingen oder behandeln unsere Liebsten manchmal nicht so, wie sie es verdienen. Das ist einem oftmals, ohne gegebenen Anlass, einfach etwas in Vergessenheit geraten. Und durch so ein Buch, mit traurigen, lustigen und einfach menschlichen Situationen, kann es wieder etwas in den Vordergrund gerückt werden. Ich fühlte mich prächtig unterhalten, mochte Anfang, Mittelteil und Ende gleichermaßen und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Und das, als Krimileser, wo doch niemand ermordet wird.. Das Buch lässt mich mit einem guten Gefühl zurück, und hat mich berührt. 5 Sterne, ganz klar. Diese Autorin werde ich mir merken.

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