Rezension: Rennsteig-Schwalben von Klaus Jäger – Ein Thüringen-Krimi.

Rennsteig-SchwalbenHeute berichte ich erneut von einem Regionalkrimi aus dem Emons Verlag, dieses Mal allerdings aus Thüringen. Der Titel Rennsteig-Schwalben sagte mir zunächst wenig, erschließt sich dann aber später.
Zunächst möchte ich den Teaser der Buch-Rückseite zitieren, um den Inhalt zu verdeutlichen:
„Im beschaulichen Riedburg bricht ein Mann nach einer Verfolgungsjagd tot zusammen. Hat die Polizei zu hart zugegriffen? Noch während Polizeireporter Peter Hartmann den ersten Theorien nachgeht, wird die Leiche geraubt – und die beiden Bestatter werden regelrecht hingerichtet. Wenig später findet man im Thüringer Wald einen weiteren Toten. Hartmanns Recherchen führen ihn auf die Spur eines Rudels menschlicher Wölfe..
Realistisch, authentisch, aufrüttelnd: ein mitreißender Kriminalroman aus Thüringen.“
Dann wird noch ein Zitat aus einem anderen Buch des Autors und eine Empfehlung zu diesem Buch aufgeführt – das ist irritierend und irgendwie fehl am Platz.

Meine Inhaltsangabe..
..finde ich hier dennoch angebracht, denn ich denke nicht das der oben zitierte Ausblick aufs Buch dem potentiellen Leser verrät, ob das Buch etwas für ihn ist. Denn das Hauptthema des Buches wird nicht so ganz deutlich und so könnte man in die Irre geführt werden.

Ich würde das ganze so zusammenfassen, ohne zu spoilern:
Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser in einer Verfolgungsjagd wieder, die für den von der Polizei verfolgten Mann ein tödliches Ende nimmt. Während interne Ermittlungen beginnen, um die Todesursache und die Schuld der Polizisten zu klären, kommt jedoch die Leiche abhanden. Die Bestatter wurden auf dem Weg vom Tatort zur Pathologie überfallen und brutal hingerichtet. Reporter Peter Hartmann war zufällig am ersten Tatort und steht nun unter Druck – um gute Artikel zu präsentieren muss er selbst ermitteln. Dabei stößt er auf ein unglaubliches Netz aus Menschenhandel und Prostitution. Der Leser erfährt schockierende Details über den Weg armer Mädchen von Weißrussland nach Thüringen und in die Prostitution. Was hat das mit der geraubten Leiche zu tun?
Stil, Machart, Besonderheiten
Ich muss sagen, die spannende Situation direkt zu Beginn verspricht so einiges. Der Leser steigt mitten in der Verfolgungsjagd ein, ohne zu wissen worum es geht. Und da ist der Verfolgte auch schon tot. Das finde ich gut.
Dann leider geht der Spannungsbogen zunächst nach unten. Hier kam mir zwischenzeitlich die Lust zum Weiterlesen abhanden, wenn ich ehrlich bin. Zunächst ist man auch noch nicht vollständig drüber im Bilde, das ein Großteil der „Ermittlungsarbeit“ aus der Perspektive von Reporter Hartmann stattfindet und nicht aus Reihen der Polizei. Da manchmal allerdings auch aus der Polizeiperspektive eine Entwicklung geschildert wird, ist das ganze etwas doppelt gemoppelt und keiner der Ermittler wird dem Leser so richtig sympathisch bzw. wächst ans Herz.
Zwischendurch war ich tatsächlich von mehreren Ausschweifungen gelangweilt, beispielsweise gibt es anfangs ein paar Seiten zum Thema „Fahren auf deutschen Autobahnen“, welches wohl jeder schon selbst erlebt hat und noch nicht einmal lustig beschrieben ist. Das hätte ich mir selbst unterhaltsamer erzählt. Solche Ausschweifungen mögen bei manchen Lesern sicherlich gut ankommen. Ich mag so etwas auch, aber nur wenn es lustig, interessant oder für den Fortgang der Geschichte hilfreich ist. So ging es mir wie gesagt an einigen Stellen. Während andere, spannende Stellen durchaus detaillierter hätten sein können, war es bei den unwichtigen Dingen dann manchmal einfach zu lang. Die Balance hat mir irgendwie nicht gefallen – ist aber sicherlich auch Geschmackssache.
Das Thema. Ich wusste zunächst nicht, dass dieser Regionalkrimi in Richtung Prostitution und Menschenhandel gehen wird. Das ist schade! Denn ich glaube nicht, dass mich das Buch mit diesem Thema so sonderlich interessiert hätte. Organisierte Kriminalität ist einfach nicht mein Lieblingsthema in Sachen Krimi. Trotzdem, und das finde ich eine der großen Stärken dieses Krimis, konnte der Autor dieses sensible und erschreckende Thema hervorragend beschreiben und dem Leser näherbringen. Der durchschnittliche Leser dürfte in der Realität eher wenig mit Prostituierten und Menschenhandel in Verbindung gekommen sein, und jeder hat sicherlich so seine Vorurteile in Sachen Rotlichtmilieu. Der Autor schafft es, anhand einer konkreten Situation die unglaubliche Brutalität dieses Geschäftes und den Leidensweg der hoffnungsvollen Mädchen aufzuzeigen, die dann doch nicht wie erwartet in eine bessere Situation gelangen. Die Schilderung ist sehr gut gelungen und interessant sowie bedrückend. Im weiteren Verlauf schafft Klaus Jäger es außerdem, die Prostituierten menschlich und normal erscheinen zu lassen. Sie behalten ihre Würde und das Milieu wird besser dargestellt als sein Ruf. Diesen Einblick möchte ich nicht missen.
So gelungen die Darstellung des Hauptthemas auch ist, richtig spannend wurde es für meinen Geschmack nicht. Man wusste irgendwie immer schon vorher, was passieren wird. Überraschende Wendungen gab es nicht wirklich (na gut, eine, am Ende, aber die war nach der Klärung des Falles..). Irgendwie konnte man sich sehr viel schon vorher ausmalen und war dem ermittelnden Reporter immer eine Nasenlänge voraus. Da fühlte ich mich irgendwie etwas verschaukelt und gelangweilt. Dieses Buch war für mich einfach kein Pageturner, ich musste mich eher zum Weiterlesen zwingen.
Ich denke, es wäre besser gewesen, wenn die Ermittlung nur aus Richtung der Polizei beschrieben wurde, von einem oder zwei Ermittlern. Da hätte man sich besser konzentrieren können und die Hauptperson lieb gewonnen. Aber bei diesem Durcheinander und dem Versuch von der Kombination der polizeilichen und berichterstattenden Perspektiven ist eine Menge Zwischenmenschliches Abhanden gekommen.
Ein paar merkwürdige Bezeichnungen fielen mir auf und manche Sätze ließen mich kurz stocken. Ich denke aber, das liegt vielleicht an dem regionalen Slang. Ansonsten war der Krimi flüssig geschrieben, wenn auch –wie schon geschrieben- die Balance der Darstellung nicht nach meinem Geschmack war.

Der Titel
Zunächst wusste ich mit dem Titel nix anzufangen. Als ich dann beim Lesen irgendwann drauf kam, dass die gefährlichen Wölfe vom Klappentext dann Menschenhändler sind, konnte ich mir auf das Wort „Schwalben“ dann schon einmal einen Reim machen. Dann recherchierte ich, dass „Rennsteig“ folgendes ist: „Vom Mittellauf der Werra bis zum Oberlauf der Saale zieht der Rennsteig als Höhenweg über den Kamm des Thüringer Waldes und des angrenzenden Thüringer Schiefergebirges, bis in den nördlichen Frankenwald.“ (vgl.www.thueringen.info)
Unter diesem Aspekt ist der Titel sehr gelungen, anstatt Bordsteinschwalben (als anderes Wort für Prostituierte) ist mit Rennsteig-Schwalben das Gebiet gemeint, in dem der Krimi spielt.
Zielgruppe
Wie es mit Krimis meistens so ist, sind hier ganz klar Erwachsene die Zielgruppe. Ich würde eher sagen, dass dieser Krimi etwas für Männer ist als für Frauen. Das kann aber auch an mir liegen, für mich als Frau war es thematisch nicht so ganz das richtige. Die zwischenmenschlichen Dinge zwischen Ermittlern usw fehlten mir bzw. waren nicht sehr ausgereift und das Thema hatte grundsätzlich irgendwie eher ein männliches Flair für mich. Natürlich, da bin ich sicher, werden Menschen aus Thüringen das Buch viel interessanter und besser finden als Menschen aus ferneren Regionen.
Was lernen wir daraus?
-Also ich für meinen Teil habe daraus gelernt, dass die Balance der Erzählung wichtig ist. Für die Handlung unwichtige Dinge sollten hochinteressant, lustig oder einfach grandios sein, sonst haben sie für mich wenig in der Geschichte zu suchen. Die Spannung darf nicht auf der Strecke bleiben, für meinen Geschmack allerdings darf das ganze gern humoristisch aufgelockert werden.
-Man sollte dem Leser vorher einen Hinweis geben, in welche Richtung eine Erzählung so geht. Wenn ich im Klappentext lese, dass bei einer Verfolgungsjagd einer stirbt und dann geklaut wird, dann ist das für mich interessant. Darum geht’s ja im Buch tatsächlich auch, aber es hängt eben alles mit Menschenhandel zusammen. Und Menschenhandel, oder weiter organisiertes Verbrechen ist nicht so meins in Sachen Krimi. Ich möchte raten wer der Mörder ist und warum, möchte zwischenmenschliches Zusammenspiel (oder Abgründe) und Spannung, Wendungen und Nervenkitzel.
Fazit
Ich hatte mir wohl was anderes versprochen und das Ganze war nicht so richtig mein Thema. Wer aus Thüringen kommt und Krimis über organisiertes Verbrechen toll findet: Kauft das Buch! Für mich jedoch ist das Buch gerade so 3 von 5 Sterne gut und ich werde sicherlich kein Buch des Autors mehr lesen. Man sollte sich wohl eher auf einen Ermittler konzentrieren, der irgendwie was besonderes ist oder mit dem sich ein Leser identifizieren kann, anstatt zwei Ermittlungsperspektiven so halbwegs zu kombinieren. Positiv war wie bereits erwähnt die Darstellung vom Weg eines Mädchens zur Prostituierten, das war harter Tobak aber einfach gut gemacht. Das ist wie gesagt alles Geschmackssache, und diese Rezension war meine persönliche Meinung.

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Ein Gedanke zu “Rezension: Rennsteig-Schwalben von Klaus Jäger – Ein Thüringen-Krimi.

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