Rezension: Mainleid von Anja Mäderer – Mord in Würzburg

Mainleid Würzburg Krimi

Mainleid Würzburg Krimi

Ich muss es ehrlich sagen: Das Buch hätte mich in einer Buchhandlung oder beim Onlinekauf niemals angesprochen. Das Foto auf dem Cover ist zwar schön und vermittelt eine interessante Atmosphäre und auch der Titel ist toll, aber es hätte mein Interesse niemals soweit erweckt, dass ich es mir näher angesehen hatte. Durch eine Lovelybooks- Leserunde bin ich dann doch auf das Buch aufmerksam geworden und sehr froh, diese Geschichte nicht verpasst zu haben.

Der Inhalt

Im Würzburger Ringpark wird die Studentin Connie tot auf einer Parkbank gefunden. Sie wurde mit einer Flasche eines teuren und seltenen Würzburger Weins erschlagen und dann kunstvoll an der Bank drapiert.
Die Kommissare Nadja und Peter wollen vor ihrem Dienstantritt im neuen Revier in Würzburg erst einmal auf Wohnungssuche gehen, müssen nun aber sofort zum Tatort und den Fall übernehmen. Dort treffen sie auf einen sehr amüsanten Pathologen und den direkten Vorgesetzten, der Nadja direkt die Leitung der Ermittlung überträgt. Auch der Rest des Teams macht gleich einen netten Eindruck.
Der Fall jedenfalls, ist keiner der leichten Fälle. Es gibt viele Verdächtige, zum Beispiel den Freund der Toten oder die beiden Mitbewohnerinnen. Dann ist da noch der Spanisch-Stammtisch von Connie, und auch da ist jeder verdächtig. Oder war es ein Unbekannter, der wahllos sein Unwesen treibt?

Der Stil, die Aufmachung

Ich kannte die Autorin bis zu diesem Buch nicht, aber ich werde mir diesen Namen merken! Denn Anja Mäderer hat einen Schreibstil, der mir wirklich sehr gut gefällt. Es liest sich flüssig und spannend, die Beschreibungen und Dialoge sind genau nach meinem Geschmack (nicht zu lang oder zu kurz sondern genau richtig). Besonders positiv aufgefallen ist mir der Humor, der unterschwellig in den Sätzen aber auch ganz offensichtlich in den Dialogen zu finden ist. Ein paar Beispiele:

„Nadja schüttelte den Kopf. »Ich kann es nicht glauben. Wer erschlägt denn eine Studentin im Park mit einem Luxusartikel?«
Peter murmelte zustimmend: »Was für eine Vergeudung!«, ließ dabei aber offen, ob er den Wein oder das Mädchen meinte.“

„Er sah aus wie James Dean in seinen besten Zeiten, die ja nicht gerade lange angedauert hatten.“

„Ich war in Gerbrunn, weil ich bei einer Kommilitonin zum Essen eingeladen war. Später bekundete sie dann nicht nur Appetit auf die Steaks, sondern auch auf mich.“

Die Story an sich hat bei mir gepunktet, weil sie mich an meine Lieblingsautorin Agatha Christie erinnert. Wir haben einen Mord, mehrere Verdächtige und die Autorin führt den Leser mit Hinweisen und Bemerkungen immer mal wieder in die Irre. Man kann gedanklich eigene Ermittlungen anstellen, sich also überlegen wer der Täter sein könnte. Ich bin kein Fan von Kriminalfällen, die überwiegend durch Laboranalysen gelöst werden. Mir geht es eher um die „kleinen grauen Zellen“, wie Hercule Poirot sagen würde. Hier bekommt man durch Verhöre und andere Ermittlungsarbeiten einen immer genaueren Eindruck der Verdächtigen und auch des Opfers, man ist immer mehr in der Geschichte drin und macht sich seine eigenen Gedanken.
Die Spannung ist direkt von der ersten Seite an gegeben und es wird nie langweilig, ich hatte zwar wenig Zeit habe aber immer sofort nach der Arbeit angefangen zu lesen.

Das Ermittler-Team ist sehr interessant dargestellt, die privaten Geschichten der Ermittler nehmen einen Platz in der Geschichte ein, den ich als „genau richtig“ empfinde. Bei der Kommissarin gibt es anscheinend ein dramatisches Geschehnis welches zur Versetzung geführt hat. Von diesem erfährt man immer mal wieder häppchenweise ein bisschen, ganz am Schluss wird es dann aufgelöst. Kollege Peter, die zweite Hauptperson seitens der Ermittler in diesem Buch, hat auch ein paar Probleme in seinem Privatleben. Der Gerichtsmediziner ist auch wirklich eine tolle Figur, er entspricht sogar nicht der stereotypen Vorstellung dieses Berufszweiges. Die anderen Ermittler sind alle sehr unterschiedlich und das gesamte Team bietet einfach viel Potential für einen nächsten Fall, den ich auch auf jeden Fall lesen würde.

Der Krimi ist ein Regionalkrimi, er spielt in Würzburg und das merkt man auch. Ich als Nordlicht habe es auf zwei kurze, berufsbedingte Besuche und mehrere Reisen im Zug durch Würzburg gebracht, war also wenig informiert – hatte eine Ahnung von der Atmosphäre. Genau diese Atmosphäre kommt gut rüber, es gibt außerdem einen Vorgesetzten mit heftigstem Dialekt (da musste ich mich konzentrieren, es störte aber nicht. Kommt auch nur 2mal vor) und man merkt mit Straßen- und Ortsteilangaben usw. immer wieder, dass der Fall in Würzburg spielt. Das finden Würzburger oder Franken sicherlich noch interessanter als Ich (Nordlicht), aber ich fand es auch gut und passend.

Das Buch

Seiten: 256, normaler Leseumfang
Erschienen: Emons Verlag (16. Juli 2015)
Preis: 9,90€ in Deutschland
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Was habe ich daraus gelernt?

-Ich habe gelernt, dass eine gute Handlung bei einem Krimi ausreicht um Leser zu begeistern. Der Trend zu immer mehr Blut, Folter und Brutalität muss nicht sein. Natürlich bin ich dem auch nicht abgeneigt, aber so ganz klassisch „ein Mord, viele Verdächtige, Rätseln“ ist auch super.
-Humor! Ich als Leser liebe es, wenn ein Autor in einfache Beschreibungen oder Dialoge humoristische Elemente hereinbringt, die meinen Humor ansprechen. Das passt hier bei diesem Buch wie die Faust aufs Auge. In meinem eigenen Krimi versuche ich es auch, und ich hoffe es gelingt. Diese beschwingte Art, ein schlimmes Verbrechen und die Lösung dessen zu schildern, gefällt mir sehr.
-Aussen hui, innen Pfui. Das trifft hier nicht zu, denn das Cover ist schön. Aber das Cover ist nicht so vielversprechend, dass man unbedingt auf diesen tollen Inhalt kommen könnte. Man sollte wohl als Leser nicht nur nach dem Cover gehen (schwierig, bei der großen Auswahl und Reizüberflutung!) und als Autor ein Cover wählen, durch das die genau richtige Zielgruppe auch sofort angesprochen wird (schwierig, bei den vielen Büchern!). Dieser Punkt ist zwar eine Lehre, aber diese dann umzusetzen dürfte schwierig werden.

Fazit

Ich gebe dem Buch ganze 5 von 5 Sternen! Das ist die Premiere auf meinem Blog und bei meinen Rezensionen, aber ich stehe voll dahinter. Warum? Weil es einfach genau das Richtige für mich ist. Eine gute, schlüssige Story die den Leser auch mal in die Irre führt, ganz im Stil von Agatha Christie. Der Humor im Schreibstil und die damit einhergehende Lockerheit in Verbindung mit einem traurigen und auch spannenden Mordfall sind genau das, was ich so gern lese. Die Aufmachung fällt nicht sonderlich ins Auge, aber der Inhalt ist ein absoluter Geheimtipp – finde ich. Für alle, die diese Art des Krimis gern lesen spreche ich hier eine absolut dringliche Leseempfehlung aus. Besonders auch, nachdem ich zuvor zwei sehr brutale Krimis/Thriller in den Händen hielt, ist das eine sehr willkommene Abwechslung. Wie schon in der Rezension zu Stefan Ahnhems „Herzsammler“ und Cody McFadyens „Die Blutlinie“ erwähnt, werden die Krimis anscheinend immer brutaler. Das ist nicht schlecht, aber wenn die Story einwandfrei ist dann geht es auch ohne fortwährendes und teilweise unnötiges Blutvergießen.

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3 Gedanken zu “Rezension: Mainleid von Anja Mäderer – Mord in Würzburg

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