Buchrezension: John Niven – das Gebot der Rache (+was lernen wir daraus?)

Das Buch „Das Gebot der Rache“ von John Niven habe ich sehr schnell durchgelesen. Ich hatte es auf Facebook beim Thriller-Griller Gewinnspiel von Heyne gewonnen und mich auch wirklich drauf gefreut. Vergangenen Donnerstag kam es an und Samstagnacht war ich fertig. So schnell geht es bei mir sonst eigentlich nicht mehr, weil ich ja nebenbei auch noch etwas zu tun habe.

Der Inhalt
Die Hauptperson und der Ich-Erzähler, Donald Miller, hat ziemliches Glück gehabt im Leben. Er wohnt in Kanada mit seiner reichen Frau Sammy und seinem kleinen Sohn Walt. Das Haus der Familie liegt sehr abgeschieden in der Provinz, der kanadische Winter droht einzubrechen – und der ist wohl kein Zuckerschlecken. Die Geschichte beginnt damit, dass der Hund der Familie tot (abgeschlachtet) auf dem Schulweg des Sohnes liegt. Das ist ein riesiger Schock, natürlich vor allem für das Kind. Aber das ist natürlich noch lange nicht alles (und würde wohl heutzutage auch kaum ein Buch verkaufen). Der Leser ist live dabei, wie auf einmal die beneidenswerte Welt der sympathischen Familie zusammenbricht – oder besser: zusammengebrochen wird. Mehr kann ich hier nicht verraten, denn sonst würden sämtliche Spoiler-Alarmglocken zu läuten beginnen.

Aufmachung, Stil
John Niven, ich hatte noch nie vorher etwas von ihm gelesen, weiß wie man Spannung aufbaut. Er weiß auch, wie man von Anfang an ein Gefühl des Unheils über dem Leser ausbreitet. Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der bereits erahnen lässt das dem Erzähler einst etwas Schlimmes passiert ist.

Zitat: „Meine Psychologin Dr. Tan ist der Meinung, es würde mir vielleicht ganz guttun, alles niederzuschreiben – jetzt, wo sich das Ganze bald zum zweiten Mal jährt.“

Hier ist man schon einmal mitten drin, gedanklich, und malt sich alles Mögliche aus. Dann fängt die eigentliche Geschichte recht unbedeutend an. Die alltäglichen Probleme eine Familie beim Frühstück erscheint nett und unbedeutend, bis der letzte Satz des Kapitels dem Leser zeigt, dass dieses nette Frühstück nur ein mieser Trick war:

„Rückblickend erscheint mir gerade das Alltägliche dieses Morgens – wir drei in der Küche, mit unseren kleinen Abschiedsritualen, Instruktionen für den Tag, halb verspeisten Buttertoasts – als das pure Glück.“

Mehr wird nicht verraten, aber man bekommt durch diese zwei Zitate wohl schon einen guten Einblick in den Stil und die Absichten des Autors. Damit schafft er es auch, den Leser sofort in den Bann der Geschichte zu ziehen.

Neben dem Prolog, welcher schon eine Information zum Ende der Geschichte liefert (Erzähler überlebt), gibt es neben der Zeitebene in der Vergangenheit in der sich die Kathastrophe abspielt, noch eine Ebene. Diese Zeitebene spielt in der Jungend des Erzählers, welcher auch nicht sehr guten Verhältnissen kommt. Die Gegenwart der Geschichte und die Vergangenheit des Erzählers treten wechselnd auf. Ich persönlich war grundsätzlich eher froh, wenn die Vergangenheitsebene vorbei war und die Gegenwart wieder anfing. Das fand ich irgendwie spannender, die Vergangenheitsebene war mit etwas zu weit ausgeholt. Dadurch merkte ich allerdings, dass die aktuelle Bedrohung auf jeden Fall aus dieser Vergangenheit des Erzählers resultiert. Auch sehr geschickt eingefädelt von Herrn Niven. Bis zum Ende hin wird dem Leser gerade auf Grund dieser zwei Ebenen einiges klar, bis sich das Ganze dann irgendwann schlagartig zuspitzt.

John Niven versteht es gut, mit diesen Ebenen zu jonglieren und dem Leser langsam aber sicher ein Licht aufgehen zu lassen. Er schreibt flüssig, schürt die Spannung in den richtigen Dosen und beginnt dann ganz plötzlich, eine Menge Menschen durch seine Feder in den Tod zu reißen. Ich finde das Ende ja fast schon ein wenig übertrieben, wie viele Menschen kann ein einfacher Killer auf Rachefeldzug denn kaltblütig töten, ohne dass es ihn selbst erwischt?

Niven

Hervorragend und wirklich rührend (und das mitten in dem spannenden und auch etwas blutrünstigen Thriller) versteht es der Autor, fast jeden Toten kurz traurig zu verabschieden. Hier möchte ich nicht weiter drauf eingehen, da ich ja sonst verraten würde wer stirbt. Mit alltäglichen, banalen Dingen bringt er es fertig, mitten in dem rasanten Spiel um Leben und Tod den Leser kurz sentimental werden zu lassen, bevor es mit Tempo weitergeht. Vor allem am Ende des Buches setzt er dem die Krone auf, indem er die Namen aller Opfer noch einmal auflistet und und dann direkt die Anzahl der Hinterlassenen Angehörigen usw. beschreibt. Und das alles nur, weil in der Vergangenheit in England..

Manche Szenen sind übrigens recht heftig geschildert. Für zartbesaitete ist dieses Buch eher nichts. Aber es sind nicht viele Szenen, die man zur Not durchaus überfliegen könnte.


Was lernen wir daraus fürs Schreiben?

  1. Die Anwendung von Zeitebenen macht absolut Sinn, wenn eine Tat aus der Vergangenheit Geschehnisse der Gegenwart bedingt. Die geschickte Anwendung dieser Ebenen und die schlaue Mischung lassen den Leser selbst Dinge erahnen und erschließen. Man muss allerdings aufpassen, dass man diese nicht durch zu langweilige Anekdoten unnötig durch die Länge zieht oder zu viel verrät.
  2. Mit dem Leser zu spielen, indem man Andeutungen über das herannahende Unheil macht, kann bei richtiger Anwendung sehr gut wirken. Vielleicht hilft da gerade das banale, wenn man danach verkündet das es wohl nie wieder so sein wird.
  3. Weniger ist mehr. Braucht man ein Ende mit möglichst vielen Opfern? Ich persönlich brauche es nicht. Aber ich bin sicher, dass viele Leute einen Thriller oder Krimi tatsächlich an der Zahl der Produzierten Leichen messen?!
  4. Ein unkaputtbarer Killer? Wie man es so aus verschiedenen Horrorfilmen kennt, ist es ja manchmal sehr überraschend wenn der Totgeglaubte Killer 20 Mal von den Toten aufersteht. Ich finde, es driftet dann immer schnell in Richtung unglaubwürdig ab, für mich wäre es nichts.

Fazit
Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Das Buch ist ein spannender Pageturner und ein gut konstruierter Thriller, der mit den Ahnungen und Gefühlen des Lesers spielt und durch eine langsam aufgebaute Katastrophe dann furios endet. Die Verknüpfung der drei Ebenen (Prolog/Epilog in Florida, eigentliche Handlung in Kanada, Jugend des Erzählers in England) und damit die Handlung ist gut konstruiert, nur die Erzählungen aus der Jugend haben mich stellenweise gelangweilt –obwohl sie wohl im Nachhinein alle irgendwie Sinn machen. Und das Ende ist nach meinem Geschmack etwas übertrieben. Ich habe es trotzdem genossen, diesen spannenden Thriller zu lesen und werde wohl auch künftig zu Büchern dieses Autor greifen, wenn sie mir mal über den Weg laufen.
Was sagt ihr zu dem Buch und zu meiner Rezension?
Danke fürs lesen und liebste Grüße,
die Tipperin


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