Ein gelungener Island- Krimi von Yrsa Sigurðardóttir

Hallo zusammen,

ich habe mal wieder ein Buch gelesen. Und dieses hier, das war echt gut und hat mich gefesselt. Neben einer Inhaltsangabe geht es vor allem um die Aufmachung und den Stil, danach folgt wie immer der Punkt „was lernen wir daraus?“, welcher sich vor Allem mit für Autoren interessanten Ansatzpunkten befasst.

Was passiert?

„Das gefrorene Licht“ spielt in Island, genauer gesagt auf der Halbinsel Snaefellsnes. Die Rechtsanwältin Dora ärgert sich gerade mit Verordnungen über Briefschlitze herum, als ein merkwürdiges Angebot per Telefon kommt. Ein Klient bittet sie, das Wochenende in seinem Wellness-Hotel zu verbringen. Denn er ist der festen Überzeugung, dass es dort spukt und möchte da noch etwas am Kaufvertrag machen.
Da die Kinder das Wochenende eh beim Vater verbringen und sie Wellness bitter nötig hat, sagt Dora zu. Kaum ist sie dort angekommen, wird eine Leiche gefunden. Es ist die Architektin des Hotels. Sie wird tot am Strand gefunden, vergewaltigt, brutal erschlagen und mit Nadeln in den Fußsohlen. Bald steckt Doras Klient, der Hotelbesitzer, in Schwierigkeiten. Denn alle Hinweise führen zu ihm.
Dora hat alle Hände voll zu tun. Sie muss den Hotelbesitzer vor weiteren Schwierigkeiten bewahren und möchte gleichzeitig das Rätsel um das Grundstück und den Spuk lösen. Denn die Familiengeschichte der zwei Brüder, die auf den zwei Höfen lebten auf denen nun das Hotel steht, die hat es in sich. Als dann auch noch ihr Freund aus Deutschland zu Besuch ins Hotel kommt und ihre Kinder Probleme bereiten, ist das Chaos perfekt. Und bald gibt’s auch schon das nächste Opfer.

Die Aufmachung

Da eine etwas vertrackte Familiengeschichte viel mit dem Inhalt des Buches zu tun hat und es auch ein paar verdächtige Hotelgäste gibt, startet das Buch zunächst mit einer Übersicht der Personen. Man kommt schnell rein, auch wenn die Isländischen Namen es ja teilweise wirklich in sich haben. Die Langschaft wird zwar gern mal beschrieben, aber die Beschreibungen ufern nicht aus und sind sehr passend. Die Autorin kommt außerdem schnell und ohne unwichtige Umschweife auf den Punkt. Man ist schnell in der Handlung drin und kommt so schnell nicht mehr raus. Der Schreibstil und die Beschreibung der Personen ist gut gelungen, man kann viele Personen schnell abspeichern und ist nicht gelangweilt. Sehr gut spielt die Autorin auch mit dem Leser. Durch eine Episode aus der Vergangenheit ganz am Anfang des Buches, ahnt der Leser während der gesamten Handlung, dass noch mehr dahinter steckt. Als die Anwältin dann langsam den richtigen Riecher hat, macht es alles einen Sinn. Viele Recherchen aus der Vergangenheit können ja manchmal wirklich langweilen. Hier ist das aber nicht zu lang oder unwichtig dargestellt und passt gut. Vor allem hat das Geheimnis aus der Vergangenheit natürlich ganz viel mit dem Mord in der Gegenwart zu tun.
Ich mag besonders die Dialoge und die trotz des ernsten Themas immer wieder erzeugten lockeren Situationen mit Wortwitz und lustigen Gesprächen. Es lockert das Buch auf und ist mir wesentlich lieber als seitenlange Beschreibungen der Landschaft.
Gut gefällt mir, dass der von mir so abfällig als „CSI-Mist“ bezeichnete Kram glücklicherweise sehr kurz kommt. Klar, heutzutage sind die Ermittlungen in Mordfällen tatsächlich vermehrt in Laboren, Rechtsmedizinischen Instituten usw. zuhause. Ich lese z.B. gern die Bücher von Elisabeth Becka, in denen eine Spurensicherungsexpertin ermittelt und mit ihren Analysen zum Ziel kommt. Dort ist es so logisch und einfach erklärt und sehr interessant, aber darüber hinaus kommt sie nur durch ihre Analysen nicht zum Ziel sondern braucht auch Menschenkenntnis. Ich möchte nichts lesen, wo nur Analysen im Labor zur Ergreifung des Täters führen. Und in diesem Buch ermittelt die Rechtsanwältin auf eigene Faust und durch Gespräche mit den beteiligten Personen. Durch ihre Position als Rechtsanwältin des Hauptverdächtigen bekommt sie die Informationen der Polizei kurz und knapp mit. Perfekt für mich, genau so mag ich es!

Die Mischung machts

Dieser Krimi dreht sich einmal um die zwei Familien und deren Geheimnisse, die vorher auf dem Grund des Hotels gelebt haben. Andererseits geht’s um die aktuellen Morde. Die beiden Ebenen sind sehr geschickt miteinander verbunden und es wird nicht langweilig. Das Buch ist wie ein klassischer Whodunnit Krimi mit viel Forschungen in der Vergangenheit. Die Mischung ist super.

Die Reihe um die Rechtsanwältin

Wie ich erst später bemerkte, ist dieses Buch Teil 2 der Reihe um Rechtsanwältin Dora. Anscheinend hat sie in Buch 1 ihren Freund aus Deutschland kennengelernt, der nun zu Besuch nach Island kommt und sie dann bei den Ermittlungen unterstützt.
Ich lese Reihen immer gern Chronologisch. Dieses Buch kann man jedoch getrost einzeln lesen und hat nicht viel verpasst. Nun stellt sich mir die Frage: Teil 1 lesen oder gleich in die andere Richtung weitermachen? Ich würde auf jeden Fall gern ein weiteres Buch aus der Reihe/ von der Autorin lesen.

Was lernen wir daraus?

-Ich persönlich habe jetzt gelernt, dass ich Island Krimis mag. Ich hatte früher mal zwei gelesen, die mich nicht vom Hocker gerissen hatten. Seitenlange Beschreibungen der Landschaft führten dazu, dass ich eines der Bücher nicht einmal ausgelesen habe.

-Das klassische Whodunnit geht immer! Hier wurde es gut verbunden mit der Recherche in der Vergangenheit und die Verdächtigen sind nicht nur aus einem abgeschlossenen Raum (dem Hotel) als Einzugsgebiet sondern auch aus der Umgebung und durch die Fahrtprotokolle aus einem nahegelegenem Tunnel .

-Man sollte bei Reihen darauf achten, die perfekte Mischung zu finden. Für die Leser, die das Buch lesen weil sie das erste Buch mochten, müssen ein paar Anspielungen und Erinnerungen erwähnt werden. Für die Leser, die das erste Buch nicht gelesen haben, muss die Handlung in sich abgeschlossen sein und die Erinnerungen an das erste Buch sollten auch in der Gegenwart Sinn machen und sich leicht erschließen. Durch einfache Erklärungen wie „Freund kommt aus Deutschland, kennengelernt bei aufregendem Fall über XY“ (in etwas länger natürlich) ist beiden Lesergruppen genüge getan. Dann noch ein paar Anspielungen „Liebling, bei dem Fall damals hast du doch auch nicht…“ lassen Erinnerungen bei den Lesern von Buch 1 aufkommen und zeigen dem Leser von Buch 2, dass die beiden in dem Fall schon eine bestimmte Situation durchgestanden haben.

-Der Ort, an dem der Krimi spielt. Tja, ich denke gerade drüber nach: Wie wichtig ist der reale Ort für die fiktive Handlung? Der in diesem Krimi erwähnte Ort, den gibt es tatsächlich. Ob es da jetzt genau dieses Hotel gibt und die Höfe der Bauern gab – keine Ahnung. Ich finde es gut, wenn ein realer Ort als Rahmen genommen wird. Es ist für Leser, die dort schon einmal waren, sicherlich auch spannend die Straßennamen wiederzuerkennen oder sich das ganze genau und realitätsnah vorzustellen. Für mich als Deutscher hätte es jetzt keinen Unterschied gemacht, wenn der Ort fiktiv wäre. Ich denke daher, man kann mit einem realen Ort als Grundlage für seine Geschichte nichts falsch machen. Es scheint eher ein netter Bonus zu sein, wenn der Ort tatsächlich interessiert. Oder meint ihr, manche Leser wären sauer wenn etwas in ihrer Stadt dazu erfunden wird und gar nicht existiert? Meinen Krimi, ja er ist tatsächlich fast fertig, habe ich nach langem hin und her nun doch in meiner Heimatstadt angesiedelt. Ein Hotel habe ich allerdings erfunden, der Rest stimmt mit der Realität überein.

-die Handlung kann noch so ernst sein, ich finde Humor geht immer! Das ist sicherlich Geschmackssache, aber ich mag Krimis bei denen ich schmunzeln kann. Würde im realen Leben in der unmittelbaren Umgebung ein Mord geschehen, wäre ich wahrscheinlich ein psychisches Wrack und gebeutelt von permanenten Panikattacken – aber Krimis mag ich ja natürlich auch nur fiktiv und bloß nicht mich betreffend..

Fazit

Dieses Buch ist super, ich konnte es schwerlich aus der Hand lesen und war gefesselt. Man hatte viele Verdächtige und auch das Ende hat nicht enttäuscht. Ich würde Teil 3 der Serie auf jeden Fall lesen und kann das Buch echten Krimifans bedingungslos empfehlen. Die Umsetzung mancher Punkte hat dann auch beim Punkt „was lernen wir daraus“ nochmal zu ein paar Erkenntnissen für die eigenen Projekte geführt.
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Ich hoffe meine Rezension aus Schriftstelleraugen hat euch gefallen und freue mich auf euer Feedback!
Die Tipperin

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4 Gedanken zu “Ein gelungener Island- Krimi von Yrsa Sigurðardóttir

  1. Hallo Tipperin,

    ich habe von Yrsa Sigurðardóttir „Geisterfjord“ gelesen und war ebenso begeistert. Ich mag Island, ohne jemals dort gewesen zu sein, und ich lese gern mal einen Krimi. Und da mir das Cover des Buches gut gefallen hat, habe ich es gekauft. Und nicht bereut. Sigurðardóttir hat einen sehr guten Schreibstil, sie hat bei mir Gänsehaut hinterlassen. Im Moment habe ich „Nebelmord“ von ihr auf meinem Stapel liegen, vielleicht ist dies das nächste Buch, das ich lese. Aber „Das gefrorene Licht“ klingt auch sehr spannend.

    Auf jeden Fall finde ich Dein „was lernen wir daraus“ sehr gut. Das habe ich bisher bei noch keiner Rezi so gesehen. Als Autor liest man ja viel, um auch von anderen zu lernen. Solch eine Zusammenfassung ist echt hilfreich. Danke!

    Liebe Grüße,
    Katrin

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  2. Hallo Katrin,
    und danke für die Blumen!
    Ja, ich denke auch das ist mal eine etwas andere Rezension. Dieser Blog und meine Gedanken drehen sich ja ums Schreiben eines Buches, aber ich lese so gern und rezensiere dann auch – wenn es lohnt. So habe ich das verbunden und versuche halt, gute oder schlechte Eigenschaften dann wenigstens als Erfahrung zu verbuchen. Jeder Autor ist ja auch gern Leser, da dürfte es passen 🙂

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