Der Dexter- Effekt. Wie kann mir diese US-Serie beim Schreiben helfen?

Ich nenne das Phänomän einfach mal den Dexter Effekt, weil es diesen Effekt

a) noch nicht gibt
und ich b) keinen besseren Namen für das finde, was ich beschreiben möchte.

Ich finde, wenn man ein Buch schreibt, dann sollten die Personen nicht alle nur streng in schwarz-weiß gezeichnet werden. Gute versus Böse. Helden versus Bösewichte. Täter versus Opfer.
Natürlich hat sich dieses Prinzip schon immer bewährt, man leidet mit den Guten. Man hofft, die Bösen werden zur Strecke gebracht. Doch in manchen Fällen ist dieses Prinzip heutzutage so simpel und abgedroschen dargestellt, dass es einen nicht mehr wirklich beeindruckt oder gar zum mitfiebern animiert.

..und dann habe ich Dexter geguckt!

Dexter, das ist eine Krimiserie aus den USA. Sie spielt in Miami und ist nach dem Hauptdarsteller benannt. Und Dexter, das ist wahrlich kein simpler Charakter. Obwohl, eigentlich schon.. wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat. Dexter arbeitet für die Mordkommission in Miami und analysiert beruflich Blutspuren. Da ist er ein ziemliches Genie. In seinem Job hilft ihm, dass er von Morden sehr fasziniert ist. Auch aus eigenem Interesse, denn wenn er seinen Schreibtisch verlässt und die Nacht anbricht, dann jagt Dexter Menschen. Und er tötet sie.

Die erste Folge hatte mir ganz schön zugesetzt. Erst tötet Dexter brutal-kreativ sein erstes Opfer recht anschaulich, dann sind noch einzelne Leichenteile an einem Tatort drapiert und teilweise nett verpackt. Und dann, mit der Zeit, ist man auf einmal auf Dexters Seite! Es ist sehr gut gemacht, und man muss sich dafür auch nicht schämen. Denn man ist nicht auf der Seite eines blutrünstigen Killers, welcher völlig wahllos Unschuldige um die Ecke bringt.
Dexter hat eine düstere Vergangenheit, die im Laufe der Serie immer weiter ans Licht gerät. In seiner Kindheit hat der Kerl Dinge erlebt, die Niemand jemals er leben sollte. Daher wohl der Drang zu töten. Sein Vater Harry erkennt diesen Drang und erzieht Dexter so um, dass dieser

a) gutes tut
b) nie gefasst wird
und c) er nicht als Soziopath auffällt.

Dexter hält sich dran und tötet nur Menschen, die es verdient haben. Also der nette Killer killt in dieser Serie die bösen Killer, um es mal plakativ zu formulieren. Er macht das nur, wenn er 100%ig sicher ist, dass die Person es verdient hat. Er hilft also eigentlich der Gerechtigkeit auf die Sprünge, z.B. wenn die Justiz auf Grund mangelnder Beweise nichts gegen die Bösen tun kann. Da hat er ein penibles Ritual, damit er keine Spuren hinterlässt.

Und im „normalen Leben“, also wenn er mal gerade nicht auf Menschenjagd ist, dann versucht Dexter nur eines: normal zu wirken! Er kann nach eigenen Aussagen kein Mitgefühl empfinden und tappt des Öfteren in Fettnäpfchen oder verhält sich einfach falsch. Damit er normal wirkt geht er eine Beziehung ein, und irgendwie mag er die Frau dann auch tatsächlich.

„Hmm, nee! Die hat eine Meise, das ist einfach ein Killer!“, mag jetzt der ein oder andere denken. In dieser Serie, und das ist die moralische und gedankliche Herausforderung, sieht man die Dinge aus Sicht des Killers. Und man mag ihn. Er ist nett und lustig. Er kümmert sich um seine Mitmenschen und er bringt echt miese Jungs um die Ecke, gleichzeitig offenbart er Schwächen im Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen. Nichts desto trotz ist und bleibt er ein Killer. Man weiß, wie komisch es ist das man mit dem Killer mitleidet. Aber andererseits ist alles darauf ausgelegt und man findet genug Gründe, in Team Dexter zu sein.

Irgendwo habe ich mal gehört oder gelesen „am i a good person doing bad, oder a bad person doing good?“. Das fand ich eine sehr spannende Frage.

Ist Dexter ein guter Mensch, der Böses tut? Oder ein böser Mensch, der Gutes tut?

Das ist eine spannende Frage, und ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen sie in diesem Blog-Artikel zu beantworten. Aber ich kann es einfach nicht. Eigentlich ist Dexter ein Böser, der Gutes tut. Denn er hat den Drang zu töten in sich, tötet aber nur die Bösen und tut der Menschheit damit einen Gefallen (ja, das ist (absichtlich) hart formuliert, aber wir reden hier von wirklich bösen Serienkillern etc.). Andererseits kann Dexter ja nichts dafür, dass er den Drang zu töten hat! Er war ein unschuldiges kleines Kind, als er dann auf einmal eines der schlimmsten Szenarien erlebte, was man sich vorstellen kann. Er kam als gutes Kind auf diese Welt, die Umstände sind für den bösen Drang verantwortlich. Und diese ehemals unbelastete, gute Person hat Schlimmes erlebt und ist dann mordlustig. Er tötet dann auch. Er ist ein Guter und ein Böser, und er tut Böses um Gutes zu tun und um seinem Drang zu töten nachzugeben.

Man fragt sich im Laufe der Serie natürlich auch, ob sein Vater, ebenfalls Cop, das Richtige getan hat. Wenn man merkt das sein Kind ein soziopathischer Killer ist, unterstützt man es dann in seinem tun? Sperrt man es dann direkt weg? Ist es gut, dass der Vater den bösen Drang durch einen Codex in gute Taten umwandelt? Was würde man selbst tun?

Das Schöne ist, dass diese Überlegungen und Fragen alle keine eindeutige Antwort hervorrufen. Es gibt sicherlich Leute, die sagen: Jeder Mörder ist ein schlechter Mensch! Oder: Jeder Killer ist ein Opfer seiner Kindheit, der Gesellschaft etc.
Man kann noch einmal mehr um die Kurve denken und sich fragen, wodurch die Killer, die von Dexter zur Strecke gebracht werden denn Killer geworden sind. Egal zu welchem Schluss man kommt, und ich komme da definitiv zu keinem Schluss: Der Charakter wirft Fragen auf. Er fasziniert einen. Er ist anders, er ist nicht ein simpler Held oder Bösewicht.

Was lerne ich daraus?

Ich persönlich lerne von Dexter eine Menge. Nichts ist eindeutig schwarz- weiß. Und das finde ich erstrebenswert. Es passt sicherlich nicht in alle Geschichten, aber es ist ein anschauliches Beispiel für einen ausgefeilten, genial entwickelten Charakter. Seitdem ich Dexter geguckt habe -und da habe ich schon einige Staffeln hinter mir aber auch noch 2 vor mir- denke ich darüber nach, meinen Killer im Buch noch etwas menschlicher darzustellen. Ein paar Grautöne, ein plausibles Motiv, eine eigene Logik des Killers die auch irgendwie Sinn macht. Ich werde keinen Dexter –Charakter in meinem Buch darstellen, denn ich möchte lieber einen klassischen Kriminalroman, in dem die guten Hauptcharaktere den Bösewicht zur Strecke bringen. Und das darf man dann am Ende auch einfach gut finden. Aber ich finde diese Grautöne einfach unheimlich faszinierend. Vielleicht sollte mein eigener Codex beim Schreiben werden, dass jede Figur mindestens einen Grauton hat. Jeder Held hat eine Leiche im Keller oder eine schlechte Eigenschaft. Jeder Bösewicht irgendwas Gutes an sich.

Es gibt noch viele Beispiele für gute Bösewichte, oder böse Helden.. aber Dexter ist eine wirklich geniale Serie, die neben den anderen Serien im Moment einfach heraussticht und absolut sehenswert ist. Und sie zeigt mir, dass mein Killer und mein Held vielleicht Gemeinsamkeiten brauchen. In meinem Buch ist es schon ein wenig in diese Richtung ausgelegt, ohne vorher Dexter gekannt zu haben. Das kann man noch ein bisschen ausbauen, und ich denke dann wird es mir sehr gefallen. Den hoffentlich irgendwann einmal existierenden Lesern meines Buches hoffentlich ebenfalls!

Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare! Habt ihr Dexter geguckt? Wollt ihr Dexter gucken? Könnt ihr meine Frage beantworten – und seid mir damit um einiges Vorraus?

In meinem nächsten Artikel wird es übrigens um „Kürzestgeschichten“ gehen, eine von mir erst kürzlich entdeckte, hochinteressante Gattung der Deutschen Gegenwartsliteratur. Wenn ihr darüber lesen wollt, vergesst nicht mich zu abonnieren! 🙂

Aufgeregt,
die Tipperin.

Dexter Effekt

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